Ist Barmen ein Freilichtmuseum?
Klartext
von Michael Matuschak
Als ich den nachfolgenden Artikel in der WZ beim Frühstück überflogen habe, wäre mir fast der Bissen im Halse stecken geblieben.
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Barmen. Hans-Hermann Lücke kann es nicht mehr hören: Wann auch immer Wuppertaler über das angeblich sterbende Barmen sprechen, regt sich in ihm Widerstand – und zwar erstens massiv und zweitens nicht unberechtigt. Denn Lücke, Bezirksbürgermeister und stellvertretender Vorsitzender der IG Barmen, nähert sich dem Phänomen Barmen ganz ungewohnt.
„Wir wollen uns doch als Einzelshandelsstandort gar nicht mit Elberfeld vergleichen. Diesen Vergleich verlieren wir ja.“ Was Lücke fordert, ist ein Stadtentwicklungskonzept für Barmen, das sich um die Bereiche Ausbildung, Kultur, Dienstleistung, Geschichte und Handel dreht. Und da, so Lücke, sind die Dinge nicht nur längst in Bewegung, sie entwickeln sich auch weiter.
Die Liste der Veränderungen zeugt in der Tat von erheblicher Dynamik: Das umgebaute Opernhaus, ein Investor für den Barmer Bahnhof, die bevorstehende Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der geplante Garten der Sinne vor dem Wuppertaler Hof, die Entwicklung des Wuppertreppen, vor einigen Jahren die Modernisierung des Historischen Zentrums, die Tatsache, dass entlang des historischen Teils der Friedrich-Engels-Allee rund 20 gastronomische Betriebe angesiedelt sind und natürlich die Umbauten im Haus der Jugend, der Immanuelkirche sowie der Wochenmarkt.
„Das ist doch fast wie in einem Freilichtmuseum.“
Hermann Lücke
Die Cragg-Skulptur vor dem Opernhaus, der Hrdlicka-Skulptur im Engels-Garten, den Arbeiten von Ulle Hees und natürlich der Skulpturenpark. Lücke spricht von Barmen als einem Freilichtmuseum.
Zumal die Schwebebahnstation Alter Markt noch in diesem Jahr beleuchtet werden soll.
Und Lücke fragt, wer denn sonst noch vier Hochschulen habe: Für Barmen listet er die Musikhochschule, den Campus Haspel, die kirchliche Hochschule und die Junior-Uni auf – und rechnet sich gerade mit solchen Angeboten für junge Leute enormes Entwicklungspotenzial aus.
Und wirtschaftlich? Klauser hat Salamander an die Wupper geholt; nachdem Proviel an der Farbmühle vier Millionen Euro investierte, werden in der Nachbarschaft die Fassaden gestrichen.
Was fehlt? „Menschen, die mit Herzblut Visionen erzeugen“, sagt Lücke. Wer sagt denn, dass es die Barmer Bergbahn wirklich nie mehr geben wird. Er wisse jedenfalls nichts davon, dass potentielle Investoren für Barmen nach Elberfeld geschickt werden.
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Um die ersten Worte des Barmer Bezirksbürgermeisters aufzugreifen: Ich kann diese immer wieder reproduzierten Worthülsen nicht mehr hören.
Herr Lücke sitzt seit Jahren in seiner politischen und beruflichen Funktion in verschiedenen Gremien, die sich mit der Entwicklung Barmens befassen. In seiner Funktion als 2. Vorsitzender der IG City-Barmen sollte ihm nicht verborgen geblieben sein, dass die IG City-Barmen seit Jahren damit beschäftigt ist (war?) in gemeinsamen Sitzungen mit Vertretern der Stadt und der Elberfelder Geschäftswelt die Forderung zu vertreten, dass Barmen in voller Gleichberechtigung mit Elberfeld bei der Standortentwicklung und Marketing für den Einzelhandel zu sehen ist.
Diese Forderung sorgt den Vernehmen nach bei den Elberfeldern regelmäßig für Heiterkeit. Auf der letzten Hauptversammlung der IG City-Barmen, bei der ich als Gast anwesend war, nahm dieses Thema ein breiten Raum ein.
Das jahrelange Festhalten an dieser aberwitzigen Position hat der Standortentwicklung Barmens geschadet. Es wäre ein gewaltiger Fortschritt, wenn die IG City-Barmen ihre zukünftige Arbeit der Realität anpassen würde. Insofern kann man Herrn Lücke nur wünschen, dass er seinen Einfluss in der IG dahingehend geltend macht.
Einige andere Ausführungen von Herrn Lücke stammen aus der argumentativen Mottenkiste, wenn man unterstellt, dass als Thema "Barmen als Einzelhandelsstandort" gewählt ist.
Salamander bei Klauser, Proviel, Cragg-Skulptur vor dem Opernhaus, Hrdlicka-Skulptur im Engels-Garten, Wuppertreppen, Garten der Sinne, was haben diese Argumente mit der Entwicklung des Einzelhandelsstandort zu tun? Ein Aspekt der bei der derzeitigen Diskussion zu kurz kommt, ist Barmen als noch etablierter Standort einer Vielzahl von Arbeitsplätzen auch im Bereich der Dienstleistung, wie zum Beispiel Banken, Versicherungen, Ärzte und Rechtsanwälten. Noch habe ich die Hoffnung, dass diese nicht für verzichtbar gehalten werden.
Herr Lücke spricht davon, dass Menschen fehlen, die mit Herzblut Visionen erzeugen. Möglicherweise übt er damit ein wenig Selbstkritik an vorhandenen Strukturen? Ich kenne einige dieser Menschen die Ideen haben und Visionen erzeugen möchten. Was fehlt ist die Bereitschaft über den organisierten Tellerrand zu schauen. Die Politik ist nun gefragt gemeinsam mit allen Beteiligten, oder muss man schon von Betroffenen sprechen, ein Konzept mit realistischen Rahmenbedingungen zu entwerfen. Barmen hätte es verdient.
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