|
Eines der schönsten historischen Gebäude in der Barmer Innenstadt ist das Haus der Gesellschaft Concordia.
Zusammen mit dem Wuppertaler Rathaus und der ehemaligen Badeanstalt, dem heutigen Wuppertaler Brauhaus, bilden diese Gebäude den noch erhaltenen Rest der historischen Bebauung im alten Stadtkern von Barmen.
Es begann im 19. Jahrhundert
Im Jahre 1801 gründeten 25 angesehene Herren aus Barmen eine Bürgergesellschaft zum Zwecke des gepflegten Beisammenseins in gehobenem Ambiente.
Die 25 Gründerväter benannten ihre Bürgergesellschaft Concordia - zu deutsch Eintracht und waren durch musikalische Aufführungen und Tanzveranstaltungen bemüht auch den Interessen der Barmer Damenwelt zu entsprechen.
Und so kam man in den nächsten Jahren regelmäßig in einträchtiger Stimmung zusammen, um die wichtigen und auch die weniger wichtigen Dinge des gesellschaftlichen und privaten Lebens zu besprechen. Gerne lud man dazu honorige Gäste aus den In- und Ausland ein - vor allem nachdem Barmens erste Gesellschaft im Jahr 1817 ein eigenes Gebäude bezogen hatte.
Durch das industrielle Wachstum Barmens und den sprunghaften Anstieg der Bevölkerung wuchsen auch die Anforderungen an die städtischen Planer und Verwalter. Da viele der Entscheidungsträger von Stadt und Bezirk in der Gesellschaft Concordia eingebunden waren, wurden hier häufig lokal- und regionalpolitische Vorhaben eingeleitet.
Auch die musikalischen Aufführungen hatten beachtliches Niveau erreicht und machten durch Mangel von alternativen Räumlichkeiten in Barmen eine Erweiterung notwendig. Im Februar 1861 fand nach zwei Baujahren die Einweihung des Konzertsaales statt. Dieser bot über 400 Besuchern Platz, hatte eine sternenförmige Deckenbeleuchtung und war der erste Konzertsaal auf dem Kontinent mit einer Orgel, welche aus dem Hause Ibach stammte. Bedeutende Solisten wie z.B. Johannes Brahms und Dirigenten wie z.B. der in Wuppertal geborene Hans Knappertsbusch gaben hier Konzerte.
In den 1870er und 1880er Jahren entwickelte sich das Gesellschaftshaus Concordia zu einer bürgerlichen Festhalle, und der Altbau entsprach bald nicht mehr den damaligen Anforderungen. Am 8. Juni 1896 beschloss die Gesellschaft den Neubau des Vereinshauses an gleicher Stelle.
Der Neubau um 1900
Das jetzige Gebäude der Concordia am Werth wurde zwischen 1898 und 1900 im Stile eines barocken Stadtpalais durch die renomierten Kölner Architekten Schreiterer und Below erbaut. Das feierliche Einweihungsfest fand am 17. Februar 1900 statt.
Eine zeitgenössische Beschreibung läßt den damaligen Prunk erahnen: „...während die weitläufigen Räume des Erdgeschosses als Läden und prächtigere Wirthschafträume vermiethet wurden, sind die Säle der Beletage der Gesellschaft selbst vorbehalten. Durch das prunkvolle Portal und ein eben so reich gehaltenes Treppenhaus gelangt man zunächst zu den Garderobenräumlichkeiten im ersten Stock.

In der Mitte der Hauptfront öffnet sich dann das eigentlich Herrengesellschaftszimmer, dem sich auf der einen Seite der Billardraum, das Spielzimmer, das Lesekabinett, und das Direktionszimmer anschließen, während ein nach der Seite ein großer und ein kleiner Speisesaal, sowie ein höchst ansprechender Empire-Salon folgen. Außer dieser langen, ununterbrochenen Flucht von prächtigen Räumen, bei deren Ausstattung sich namentlich die Firma Pallenberg zu Cöln bewährte, enthält das Hauptgeschoss den großen Konzertsaal, einen kleineren Reunionsaal und die Damenzimmer.
Dieser Theil des Hauses, der für Aufführungen und Bälle ein grosses Treppenhaus besitzt, kann je nach Bedarf mit anderen Räumen verbunden oder getrennt verwendet werden."
Alles, was Rang und Namen hatte in der "besseren Barmer Gesellschaft", ging hier ein und aus, um sich den schönen Künsten zu widmen. Es wurde Politik betrieben, man präsentierte und feierte sich selbst, engagierte sich aber auch in christlicher Nächstenliebe mit „edlen Thaten“ für die "unteren" Gesellschaftsschichten.
Zerstörung und Wiederaufbau
In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 1943 wurde das repräsentative Bürgerpalais durch den alliierten Bombenangriff bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Beim Wiederaufbau wurde auf die detailgetreue Rekonstruktion verzichtet. Statt dessen wurde das Gebäude in vereinfachter Form neu errichtet. Statt der ehemals vorhandenen zweigeschossigen Eisen-/Glaskonstruktion erhielt das Gebäude ein Außenmauerwerk mit Sandsteinverkleidung. Sehenswert ist heute die schmuckvoll verzierte Fassade, besonders die großen Säulengestalten über dem kunstvollen Portal, die einen schmiedeeisernen Balkon tragen.


Im Jahr 2001 feierte die Gesellschaft Concordia ihren 200-jährigen Geburtstag. Noch heute hält diese Bürgergesellschaft die Traditionen aufrecht und bietet ihren Mitgliedern und Gästen jeden Monat ein gesellschaftliches Programm auf hohem Niveau.
Die Concordia steht nicht nur Ihren Mitgliedern offen. Für Veranstaltungen, Tagungen, Seminare und private Feiern können die Räumlichkeiten gebucht werden.
Kontakt:
Gesellschaft Concordia
Werth 48
42275 Wuppertal
Telefon 0202 - 55 51 87
|