Ein Erlebnis einer Barmer Familie
Tatort: Sonntag 21. Juni 2009, ca.18.00 Uhr, Hatzfelder Strasse/Ecke Lockfinke.
Mein Mann und ich sind auf dem Heimweg vom Bleicherfest.
Es ist Sperrmüll.
Ich sehe im vorbeifahren ein Holzbank stehen.
Vermutlich ist es der Schnäppchenjägerinstinkt der mich zu meinem Mann sagen lässt: "Kannst Du noch mal drehen, hab da gerade eine Bank aus Holz gesehen?"
Mein Mann: "Da stehen die Zeitungen jetzt von voll."
Ich: "Och, nur mal gucken."
Er dreht, wir parken gegenüberliegend.
Bei näherem betrachten hat Frau in sekundenschnelle überschlagen: Gut wunderschön ist sie nicht mehr, deswegen steht sie ja wahrscheinlich hier aber nachdem sie säuberlich abgeschliffen und neu lackiert wäre, könnte sie dann in unserem Garten wohnen.
Ich erkläre dies meinem Mann. Er grummelt:" Dann muss ich jetzt aber die Rückbank umklappen."
Er tut es. Dann nimmt er die Bank (ich schiebe noch einen Plastikkorb näher an den restlichen Sperrmüll - Frau ist ja ordentlich).
Ein Auto biegt in die wenig befahrene Strasse. Ich zu meinem Mann: "Da kommt ein Auto".
Mein Mann ignoriert mich. Was er einmal angepackt hat...
Er lädt die Bank ins Auto, schließt den Kofferraumdeckel.
Der Pkw parkt hinter uns.
Die beiden aussteigenden Männer stellen sich vor: "Ordnungsamt Wuppertal"
Ich denke: Das kann nicht sein. Das ist wie im schlechten Film.
Außerdem wo ist das Loch in das ich hineinkriechen könnte!!!
Ich möchte an dieser Stelle betonen dass wir noch nie etwas vom Sperrmüll haben "mitgehen" lassen.
Mein Mann lädt die Bank wortlos wieder aus.
Nachdem uns der ältere Mann vom Ordnungsamt mit ernster Miene über das Verbot Sperrmüll mitzunehmen aufgeklärt hat, erwidert mein Mann: "Ich kann es nicht glauben, seine Frau kann man nicht mehr alleine Abends auf die Strasse lassen aber für so was haben `se Zeit."
Ich (vorlaut):"Die Transporter werden komischerweise nie entdeckt aber bei uns stehen `se in ner Ecke und warten."
Antwort mit einem sehr prüfenden Blick in unseren Kofferraum: "Wir haben gerade einen dingfest gemacht, dem haben wir das Auto stillgelegt, der muss 500 Euro zahlen.
Mein Mann erklärt den Herren: "Meine Schwiegereltern wohnen hier, wir selber 500 Meter weiter, hätten eigentlich nur alle 15 Mietparteien rausklingeln müssen und nachfragen müssen. Zum Sperrmüll stellen die Leute doch die Dinge raus die Sie nicht mehr gebrauchen können!"
Antwort: "Wenn jeder Wuppertaler so denken würde hätte die Müllverbrennungsanlage bald nichts mehr zu tun."
Nachdem die beiden, die Personalien meines Mannes aufgenommen haben wollen wir nur noch weg. Wir sitzen im Auto als es noch mal an die Scheibe klopft: "Herr ... ich erteile Ihnen hiermit ausdrücklich Hausverbot für den Bezirk Hatzfeld für den heutigen Tag."
Mein Mann ist jetzt sauer. Mit kleinen Schweißperlen auf der Stirn erwidert er: "Soll ich nach Hause fliegen?"
Ich bin auch sauer, über meine eigene Dummheit, meinen Mann angestiftet zu haben und über die arrogante, überhebliche Art und Weise der beiden Männer.
Wir sind kurze Zeit zu Hause, da kommt unsere älteste Tochter rein, sie flötet: "Habt Ihr schon gesehen, ist Sperrmüll (wohl um den Papa daran zu erinnern, dass er den Selbigen rausstellen könnte, aber mein Mann ist schon auf dem Speicher und sortiert)
Ich: "Ganz schlechtes Stichwort "In kurzen Sätzen erzähl ich Ihr wieso.
"Ja und wo ist die Bank jetzt?" will Sie wissen
"Ja die steht da wieder, Papa hat die natürlich wieder ausgeladen."
"Ja aber, Ihr müsst jetzt die Ordnungsstrafe bezahlen und habt dafür nicht mal die Bank? Wir könnten doch anklingeln und fragen ob derjenige die Bank wieder an sich nimmt und uns dann schenkt?"
Ich bin angepiekst. Mein Mann nicht: "Ich geh da nicht mehr hin, hab ja Hausverbot."
Ich nicht, Schuhe an und los, 10 Min. Fußmarsch, wir biegen in die Strasse, die Bank ist ... weg!!! Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin.
Wir frotzeln auf dem Rückweg: Die haben die bestimmt selbst mitgenommen!
3 vollbeladene Lieferwagen sehen wir auf unserem kleinen Spaziergang. Kein Ordnungshüter weit und breit. Wieder zu Hause guckt Tochter ins Fernsehprogramm: "Oh Papa; ich weiß was wir heute Abend gucken müssen: Wir im Revier - Ordnungshüter räumen auf."
Ich gebe zu dieser Brief entsteht aus Frust - über mich selber - aber auch als Warnung an all diejenigen, die auf der Suche z.B. nach Staubsaugerbeuteln, der Versuchung besser nicht nachgeben sollten.
Übrigens seit besagtem Abend haben mein Mann und ich uns neue Kosenamen zugelegt. Ich nenne Ihn zärtlich "Verbrecher". Ich bin "seine Bank-Räuberin."
Nicole Hiemcke, Tente 27, Wuppertal
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